Meine persönliche Trauerphilosophie

„Trauer ist die Kehr-Seite der Medaille der Liebe“

Dieser Satz, den meine Kursleiterin während meiner Ausbildung zur Sterbebegleiterin äußerte, hat mich schon damals tief berührt. Aus meiner Sicht ist darin bereits ALLES über das wahre Wesen der Trauer enthalten und gesagt.

So oft höre ich von Menschen, dass sie sich für ihre Trauer schämen. Sie möchten schnell wieder „normal“ werden, leistungsfähig sein, wieder funktionieren. „Zeit heilt alle Wunden“ heißt es von so vielen Seiten und „Kopf hoch, du schaffst das schon“.

Und dann stehst du da. 

Allein. 

Mit dem Gefühl, dass nichts mehr ist wie es war
… und die Welt sich dennoch weiterdreht. 

Ärzte diagnostizieren eine Anpassungsstörung und plötzlich fühlen wir uns, als seien wir krank und die Trauer lediglich etwas, das „beiseitegeschafft“ und „weg gemacht werden muss“. Ein unerwünschter Störfaktor, der insgeheim eine Charakterschwäche darstellt und ein Hindernis auf unserem Weg.

Dabei ist es so viel mehr...

Am größten scheint das Verständnis unseres Umfeldes noch nach einem Todesfall eines uns nahestehenden Menschen zu sein - aber selbst hier gibt es nicht selten die Erwartung, dass wir uns doch bitte nach einer „gewissen Zeit“ wieder berappeln mögen. Wie sieht es da erst aus mit dem Verständnis, wenn wir trauern, weil...

  • wir ein geliebtes Tier verloren haben
  • wir mit einer plötzlichen Trennung oder Kontaktabbruch zurechtkommen müssen, von jemandem, der / die uns viel bedeutet hat
  • wir unerwartet unseren Job, unsere Gesundheit oder unsere Wohnung verlieren
  • oder wir mit dem Zerbrechen und Scheitern unserer Pläne und Lebensentwürfe umgehen müssen

Die Gründe, zu trauern sind so mannigfaltig wie die Menschen selbst- und beschränken sich längst nicht nur auf einen tatsächlichen Todesfall, wobei dieser natürlich den wohl  schmerzhaftesten Verlust darstellt, den wir im Leben erleiden können. 

Dennoch steckt in JEDEM Abschied gewissermaßen eine Art Tod und jede Veränderung fordert uns dazu auf, vertraut gewordene Räume zu verlassen und unbekanntes Neuland zu betreten. 

Der Weg dazwischen ist aus meiner eigenen Erfahrung die größte Herausforderung überhaupt und nicht umsonst spricht Johannes vom Kreuz von der „dunklen Nacht der Seele“. 

Ich selbst habe solche Lebensabschnitte meist als einen Weg durch die Wüste empfunden. Eine Wüstenwanderung verbunden mit der Suche nach einer Oase, von der man nicht weiß, wo und wann man sie finden wird… und ob sie sich letzten Endes nicht doch als Illusion entpuppen wird. 

Im Rückblick stellten sich für mich diese äußerlich völlig chaotischen Etappen aber oft als die wertvollsten Wegabschnitte überhaupt heraus. Nicht selten warteten unerwartete Schätze und Überraschungen… sei es die Begegnung mit anderen Menschen, das Sich-Öffnen für die eigenen Kraftquellen, die Hingabe in Lernprozesse, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Am wichtigsten jedoch: eine Reise in die Stille zu uns selbst und zu dem, was uns wirklich ausmacht.

Tod und Vergänglichkeit, die Zerbrechlichkeit unseres Daseins: das Begreifen dieser Prozesse mit unseren Herzen (nicht nur kognitiv) lässt uns meiner Erfahrung nach echter und wahrhaftiger werden. Unsere Masken, die wir so gerne vor anderen und oft genug auch vor uns selbst tragen, bröckeln und geben den Blick frei auf eine vollkommen andere, viel tiefere Ebene in uns. Wir beginnen zu ahnen, dass sich inmitten des Dunkels unter Umständen doch noch mehr verbergen könnte, als wir im Moment der tiefsten Verzweiflung und Traurigkeit für möglich halten. Und eben darin liegt unsere große Chance...

Genau das hat mich vor Jahren inspiriert, sterbende und trauernde Menschen zu begleiten. Die echte Begegnung von Mensch zu Mensch in den sogenannten „Grenzbereichen“ unseres Daseins: offen, verletzlich, berührbar und ohne die üblichen Masken - all das birgt aus meiner Sicht wie kaum eine andere Lebenssituation eine ungeheure Möglichkeit der Verwandlung.

Gerne begleite ich Sie auf Ihrem Weg durch dieses unbekannte Terrain und unterstütze Sie darin, wieder festen Boden unter den Füßen zu gewinnen.  

Achtsam.

Respektvoll. 

Behutsam. 

In Ihrem eigenen Tempo 

Es ist völlig unerheblich, welche Art von Trauer Sie zurzeit durchleben und ob Sie tatsächlich einen Todesfall erlitten haben oder nicht. Bei mir sind alle Formen der Trauer willkommen. 

Sie können von mir neben fundiertem Fachwissen eine einfühlsame, intuitive und herzliche Beratung auf Augenhöhe erwarten. Durch meine eigenen intensiven Erfahrungen mit Verlust- und Trauersituationen weiß ich genau, wie schmerzhaft und ausweglos sich manche Situationen anfühlen können. Ich habe aber auch erfahren, zu welcher Liebe wir fähig sein können, denn letztlich ist Trauer für mich nichts anderes. Lassen Sie uns daher zusammen erspüren, was nun in diesem Augenblick für SIE hilfreich sein könnte und welche Schritte jetzt für SIE wichtig sind. 

Janine Rössler

Kontakt: j.roessler@dasblauehaus.de