05.12.2021     
MAGIE - Dezember… ein neuer Monat ist ins Land gezogen.

Die lichtvolle Zeit, die Adventszeit beginnt. Jedes Jahr stellt diese Zeit immer wieder aufs Neue etwas ganz Besonderes für mich dar. Die Tage sind dunkler geworden, die Nächte länger. Winde brausen ums Haus, und Stille kehrt in unseren Stuben ein. Draußen funkeln dafür aber umso mehr Lichterketten um die Wette, und die Sterne glitzern im Moment noch klarer vom Himmel als sonst. 

Neben all dem Zauber, der für mein Empfinden in diesen Tagen liegt, ist der Advent aber oftmals auch eine wehmütige Zeit, ganz besonders dann, wenn wir in diesem Jahr jemanden verloren haben oder uns in schwierigen Phasen befinden. Dann beschleicht uns häufig ein Gefühl von Traurigkeit und nicht selten auch Hoffnungslosigkeit. Wir wenden uns nach innen und fragen uns, ob das schon alles war und ob es jenseits unserer eigenen Dunkelheit wirklich noch Licht und Schönes gibt. Der Blick in die Nachrichten und das Erleben von Stress, wie er in vielen Jobs dieser Welt an der Tagesordnung scheint, verheißt nichts Gutes und nicht selten wird unsere Sicht verklärt. 

Wir bewegen uns manchmal wie Roboter durch unser eigenes Leben und fühlen uns verschluckt und vereinnahmt von dem, was viele von uns unter „Alltag“ verstehen. Kommt dann noch ein Schicksalsschlag hinzu, fühlen wir uns oft regelrecht erstarrt und die Wunder des Lebens haben keine Chance mehr, unser Herz zu erreichen. Es geht etwas verloren… etwas, das ich gerne mit „Magie“ umschreiben möchte. Das hat aber nichts mit Hokuspokus oder irgendwelchen billigen Zaubertricks zu tun. Vielmehr geht es um uns, um unsere Verbundenheit und unseren Platz in dieser Welt…und vielleicht auch Verbundenheit zu einer Ebene, die über unser Leben hinausgeht und auf etwas Höheres verweist. 

Der Begriff der Magie ist nicht so einfach zu fassen- daher wird er uns nun als Monatsthema in diesem Dezember begleiten. Und da Nikolaus unmittelbar vor der Tür steht, fiel mir eine meiner Lieblingsgeschichten ein, die mich stets aufs Neue berührt und einer meiner festen Begleiter in der Adventszeit ist. Es ist die Geschichte von Virginia und dem Weihnachtsmann.

Die berühmteste Weihnachtsgeschichte der Neuzeit stammt aus Amerika und stellt die Frage: 

Gibt es einen Weihnachtsmann? 

Im Jahr 1897 wollte es die achtjährige Virginia O'Hanlon aus New York ganz genau wissen: Gibt es wirklich einen Weihnachtsmann? Darum schickte sie ihre Frage an die New Yorker Tageszeitung „Sun“. 

„Ich bin acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der „Sun“ steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es den Weihnachtsmann?" 

Die Sache war dem Chefredakteur der „Sun“ so wichtig, dass er einen erfahrenen Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite. Mehr als ein halbes Jahrhundert druckte die Zeitung den Briefwechsel, bis zur Einstellung des Blattes im Jahr 1950. Der Text wurde so berühmt, dass er seitdem Jahr für Jahr in diversen Zeitungen in aller Welt erscheint – und daher zur meistgeschriebene Weihnachtsgeschichte wurde. Es geht dabei um die letzte und tiefste Frage der Wahrheit, der Liebe und dem Leben - ob sie Bestand haben – oder ob alles letztlich nur Einbildung und Lüge ist. Um nicht mehr und nicht weniger!

Der Antwortbrief lautet:  Liebe Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen gehört oder einem Kind. Im Weltall verliert es sich wie ein Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt ein Christkind. Es gibt es so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie - gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackergeist an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann. Sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss könntest Du Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht - was würde das beweisen? Kein Mensch sieht es einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken - geschweige denn, sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, den nicht einmal alle Gewalt auf der Erde zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann wird die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. "Ist das denn auch wahr?" kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen. Frohe Weihnacht, Virginia. 

Dein Francis Pharcellus Church

Mit diesen wunderbaren, stimmungsvollen Zeilen wünsche ich euch nun einen schönen Nikolaustag. Wer sich in der Adventszeit zudem noch mehr Gutes tun möchte, dem sei von Anselm Grün „Das kleine Buch der Weihnachtsfreude“ ans Herz gelegt. Es zählt ebenfalls zu meinen persönlichen Lieblingsbüchern und darf in keiner Adventszeit fehlen. Einfühlsam wird auf die vielen Facetten unseres Menschseins eingegangen und berührt auf ganz leise, feinsinnige Weise unser Herz.

Janine