20.02.2022    
Der Fluss des Lebens

Feinperlig strömt das Wasser 
mit aller Kraft voran
Windet sich in seinem Becken
…dann und wann

Fließt sanft und gemächlich
 dem Tag entgegen
Manchmal sprudelt der Fluss
auch ganz verwegen

So manche Untiefen
reißen ihn hinfort
Stets geht es weiter 
an einen unbekannten Ort

Oft hüllt die eisige Kälte
des Winters ihn ein
Und bedeckt ihn mit Nebelschleiern
ganz fein

Es steigen leichte
 Schwaden hinauf
Bevor er nimmt
seinen weiteren Lauf

Glitzert im Licht
der frühen Sonne
Am Ufer blühen Blumen-
welche Wonne!

Er vernimmt
ausgelassenes Kinderlachen
Die an seinem Ufer
veranstalten lustige Sachen

Plantschen, spritzen sich nass
und jauchzen vor Glück
Niemals fließt
das Wasser zurück…

Auf seiner 
wechselhaften Reise
Berühren ihn Pflanzen und Äste
auf wundersame Weise

Auch Fische und Vögel
durchschwimmen den Raum
Es scheint wie
ein großer bunter Traum

Er tastet behutsam
nach ihrer Gestalt
Bevor es geht in
den herbstlichen Wald

Die Felsen und Schatten
scheinen oft nicht ganz geheuer
Es findet sich so manch
fremdes Gemäuer

Furchtlos und klar
begegnet er diesen
Und findet sich wieder
zwischen saftigen Wiesen

Eben noch vom Dunkel
der Nacht umgeben
Beginnen sich die Träume
wieder neu zu weben

Wie gerne würde er
für immer hier verweilen
Doch unbekannte Kräfte
bedeuten ihm, weiter zu eilen

So zieht er von dannen
und fließt stets in neuen Bahnen
Wie es zuvor schon
taten seine Ahnen

Verbunden mit allem
was ist und lebt
In steter Neugier
er vorwärts strebt

Im plötzlichen Erkennen wird er
ganz leicht und warm
Und fühlt sich geborgen
in des Lebens Arm

So lässt er ab
vom ständigen Drang
Seine Wurzeln festzukrallen
ganz bang

Kennt er doch mit einem Mal
das Ziel der Reise
Auch wenn er dafür nehmen musste
unendlich viele Kreise

So schenkt er sich nun
voll Vertrauen und Glück
Dem Ozean
der LIEBE zurück

„Was eine Reise!“
denkt er heiter
Und umarmt voll Freude
seine Begleiter

Schmunzelnd blickt die Sonne
auf ihre Kinder hernieder
Nun haben sie
sich alle wieder

Und schaukeln vereint
auf weichen Wellen
Um mit ihrem Licht die Nacht
für immer zu erhellen

Janine Rössler