23.01.2022    
Neubeginn – Aller Anfang ist leer

Ein Telefonat mit einer sehr guten Freundin brachte mich eben auf das heutige Thema. Wir sprachen allgemein über unser Leben, über den Sinn und Unsinn von Neujahresvorsätzen und von Blockaden und Hindernissen innerhalb der eigenen Wohnung und was sie evtl. mit uns selbst zu tun haben. 

Womit wir beim Thema Ausmisten wären.

Ich war vor dem Telefonat damit beschäftigt gewesen, gemeinsam mit Roger in meinem Zimmer Platz zu schaffen für einen neuen Kleiderschrank, der diese Woche geliefert werden soll und auf den ich mich schon unbändig freue. Dies bedeutete aber zugleich auch, dass mein alter Schrank nun wiederum ein anderes Plätzchen brauchte- und wir beschlossen, ihn in Rogers Zimmer aufzustellen. Wie das so ist, hatte das zur unmittelbaren Folge, sämtliche im Raum befindlichen Möbel ebenfalls neu arrangieren zu müssen. Das nutzte Roger dann spontan zum Anlass, in einem Atemzug sein komplettes Zimmer umzugestalten und so gut wie alles umzurücken. Ehrlich gesagt- als ich vorhin kurz in das Zimmer hineinschaute, bin ich fast rückwärts wieder hinausgegangen. Alles stand kreuz und quer im Raum, nichts war mehr an seinem Platz, und es herrschte ein heilloses Durcheinander. Das Zimmer wirkte ungemütlich und abweisend und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie er das wieder in Form bringen würde.

Umso überraschter war ich, als ich etwa zwei Stunden später erneut in seinem Reich vorbeischaute… Der Raum wirkte- trotz, dass ein Möbelstück hinzugekommen war- extrem luftig und vor allem- durch den geschickten Einsatz von Lampen- richtig urig und behaglich. 

Das brachte mich darauf, auch mein Leben mal wieder aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Wo eine vermeintliche Phase des Chaos, manchmal auch Stillstand oder mitunter eine regelrechte Anreihung von MIST vorherrschte, hat sich bisher doch noch in den meisten Fällen der Sturm irgendwann gelegt, und plötzlich kam darunter etwas viel Schöneres, der eigentliche Schatz zutage. Dumm ist nur, dass wir das natürlich meist mittendrin in einer turbulenten Lebensphase oder in Zeiten von Trauer und Stagnation nicht wirklich spüren und fühlen können. Darauf zu vertrauen, dass auch dies vorübergehen wird und wieder Raum für Neues entstehen kann, das fällt uns allen oft schwer. 

Dabei haben wir womöglich, zumindest in unseren eigenen vier Wänden, durchaus Einfluss auf die zarten Pflänzchen des Neubeginns, die sich vielleicht schon unbemerkt von unseren Blicken in der Erde regen. 

So erzählte ich meiner Freundin unter anderem vorhin ebenfalls davon, dass ich es in bestimmten Lebensphasen und zu gewissen Stationen im Jahr sehr gerne mag, das ganze Haus zu räuchern, um mit den feinen Duftschwaden festgefahrene Energien zu verabschieden und neue, frische Kräfte in mein Leben einzuladen. Für mich fühlt sich meine Lebensumgebung nach dem Räuchern tatsächlich sofort neutralisiert, gelöster und offener an. Somit fällt es mir dann persönlich viel leichter, Veränderungen zuzulassen.

Im Hinblick auf das Ausmisten und Entrümpeln sind es aber auch oft Kleinigkeiten, die uns stören. So befinden sich etwa in der eigenen Wohnung Dinge, deren Halbwertszeit längst abgelaufen ist und die wir immer noch auf Gedeih und Verderb bei uns behalten und aufbewahren. Zumindest bei mir ist das so. Es geht mir dabei gar nicht darum, etwas Altes durch Neues zu ersetzen. Aber sich ruhig öfters mal zu fragen, ob gewisse Gegenstände mich nicht doch endlich einmal verlassen dürfen wie zum Beispiel die Bluse von vor 15 Jahren. Brauche ich sie wirklich noch so dringend, obwohl ich schon ahne, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder in meine frühere Konfektionsgröße hineinpassen werde? Oder soll sie auch weiterhin ihr Dasein als Platzhalter in meinem Kleiderschrank fristen wie schon in all den Jahren zuvor? 

Was mir gerade in der letzten Zeit zusätzlich auffiel ist die Tatsache, um wieviel wirkungsvoller Dinge und Gegenstände werden können, wenn sie manchmal einfach nur umdrapiert werden. Wenn etwa ein Bild an eine andere Wand gehangen wird oder eine Pflanze ins Nachbarzimmer umzieht. Plötzlich wird es von mir ganz anders und wieder viel bewusster wahrgenommen. Es macht mir gerade in den ersten Januarwochen richtig viel Freude, Dinge umzugestalten und ein wenig „Innenarchitektin“ zu spielen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Energie des Neubeginns des noch jungen Jahres mich dabei beflügelt und das Schöne ist: diese kleinen Veränderungen sind weder mit Kosten noch mit vielen Mühen verbunden- aber sie haben einen großen Effekt auf mein Wohlbefinden. 

Im Telefonat mit meiner Freundin ging es sogar um ein ganzes Zimmer, das schon seit einigen Monaten ungenutzt und ungestaltet ist, weil gewisse Lebensumstände noch nicht so klar sind. Im Verlaufe des Gespräches reifte nun aber doch der Entschluss, sich diesem Zimmer jetzt einmal anzunehmen und es sich zu eigen zu machen. Es also tatsächlich zu bewohnen und auf diese Weise sozusagen den Boden zu bereiten, um Klarheit, Freude und Farbe in das eigene Leben einzuladen.

Wie innen, so außen.

Das fand ich eine wunderbare Metapher für unser Leben.

Ich geh dann jetzt mal weiterräumen 😉…